Die 2 Key-Ingredients zur Verwirklichung unserer Träume: Dranbleiben und Pausen machen

Foto einer Pflasterseinstraße als Symbol für die Wegbereitung der Selbstverwirklichung mit dem Text: Deine Träume zu verwirklichen erfordert oft Dranzubleiben und dir trotzdem Pausen zu gönnen.

Auf dem Weg zur Verwirklichung unserer Träume spielen zwei entscheidende Zutaten eine herausragende Rolle: Das kontinuierliche Dranbleiben und das bewusste Setzen von Pausen.

Leichter gesagt als getan. In diesem persönlichen Erfahrungsbericht reflektiert die Autorin über das Streben nach Erfolg, und über die kreative Überwindung von Selbstzweifeln. Dabei legt sie den Fokus auf Selbstfürsorge durch Pausen und die Balance zwischen verschiedenen Projekten.

Möge dich dieser Text inspirieren, dich selbst näher kennenzulernen, deine Bedürfnisse ernst zu nehmen und auf dich aufzupassen: ob es mehr Disziplin oder Rücksicht bedarf.

 

Endlich Durchstarten

Manchmal bin ich überfordert von all den Dingen, die nötig zu sein scheinen, um meinem Herzensweg "durchzustarten" und das mit Mehrwert für die Welt oder zumindest für ein paar Menschenherzen.

"Durchzustarten" bedeutet für mich, genug Geld zu verdienen, um davon leben zu können, mein Leben nach meinen Vorstellungen zu gestalten und gleichzeitig anderen Mut zu machen und Kraft für ihren Lebensweg zu schenken.

So wie mich wundervolle Menschen – Autoren, Künstler, Psychologen und andere Lebenskünstler – durch ihre Berufungen inspiriert und durch schwierige Phasen meines Lebens getragen haben.

Warum ich in Wirklichkeit bereits "durchgestartet" bin, erfährst du, im nächsten Post.

 

Was alles zu tun ist für die Sichtbarkeit: Instagram, YouTube oder doch Podcasten?

Nach Monaten intensiver Arbeit an meiner Website, dem Gewinn neuer Erkenntnisse, regelmäßigem Schreiben und der prägenden Zusammenarbeit mit einer wunderbaren Lektorin sowie Aus- und Fortbildungen in psychologischer und traumasensibler Beratung, Pausen, Energiearbeit und dem Üben von Tattoos an freiwilligen Modellen, stehe ich jetzt vor meiner Abschlussarbeit, und in 3 Monaten beginnt der nächste Lebensabschnitt.

Damit wird das Klopfen der Marketingpolizei an meiner Tür lauter.

Meiner inneren Marketingpolizei übrigens. Die sagt, Fräulein, jetzt müssen Sie sichtbar werden.


Das bedeutet, socializen, regelmäßiger Blogartikel schreiben und, wenn nötig, auf Instagram präsenter sein. Bis auf die Blogartikel (ohne das Wort "regelmäßig") schüttle ich nichts davon so leicht aus den Ärmeln.

Nach fast einem Jahr Pause überlege ich, wieder ein Youtube-Video hochzuladen – ein Video, das ich allerdings noch produzieren muss. Kann und will ich das gerade überhaupt?

Vielleicht doch lieber einen Podcast starten. Damit liebäugle ich seit 10 Jahren – aber irgendwie habe ich vor dem Gedanken auch Respekt.

 

Herausforderung der Selbstverwirklichung 

Herausforderungen dieser Art gibt es genug. Gedanken wie: Habe ich wirklich etwas Wichtiges zu sagen? Mehr als: „Ja, es ist möglich, seelische Heilung zu erfahren und dass sich das Leben positiv verändern kann. Ja, es werden Herausforderungen bestehen bleiben, aber unser Umgang mit ihnen kann leichter werden. Zumindest war es bei mir so, und vielleicht kann meine Geschichte auch dir Mut machen und Kraft geben für diese Entwicklung.“

Die Zweifel vernebeln meine Kreativität, fast will ich aufgeben, aber ich werde ruhig, wenn ich daran denke, wie sehr ich selbst das Hören von Podcasts liebe; es ist schön, eine vertraute Stimme zu haben und dabei neue Ideen und Wissen nebenbei aufzugreifen.

Kann es davon genug geben? Also wird das doch ein Projekt.

 

Das Projekt: endlich in unseren Träumen ankommen 

Spannend, dass auf dem Schreibtisch, an dem ich gerade den Hund meiner Familie sitte, Juli Zehs Buch "Über Menschen" liegt.

Ich habe es noch nie gelesen, bin neugierig und schlage es ausgerechnet auf der Doppelseite auf, in der es um den endlosen Kreislauf von Projekten geht (Zeh, 2022, S. 16-19). Ich blättere noch ein bisschen weiter, während ich den Text nach der Wortkette abscanne.

Steht da was von der Überzeugung oder vielleicht Hoffnung vieler Menschen, dass dieses nächste Projekt etwas so verändert, dass wir ankommen, erfüllt sind oder was auch immer den Hunger der inneren Leere oder Ruhelosigkeit stillt? Um dann festzustellen, dass bereits das nächste wichtige Projekt wartet, dass genau diese Funktion erfüllen wird. Oder eben nicht.

Wichtige Anmerkung: Das ist nur meine erste, unrecherchierte Assoziation mit dem wenigen, was ich gelesen habe. Dann MUSSTE ich an diesem Post hier weiterschreiben. Kann also gut sein, dass ich etwas Falsches in die fünf Zeilen interpretiert habe, die ich gelesen habe und Juli Zehs tatsächliche Aussage damit entstelle und aus dem Kontext reiße. Fazit: lies besser selber.

Ich persönlich liebe Projekte, sie halten meine inneren Räder in Bewegung und gleichzeitig geschmiert. Aber ja, es ist allzu leicht, sich im eigenen Getriebe zu verlieren.

Kurz vor so etwas befinde ich mich, wenn ich Überforderung spüre.

Zum Glück kann ich mittlerweile bremsen. Zum Beispiel wie heute, indem ich darüber schreibe. Mich sortiere.

Zum Glück liebe ich auch Pausen (wie kraftvoll solche Pausen sind liest du hier). Die Depression, zu einem Zeitpunkt, da mein Körper nicht mehr leben wollte, hat mich dazu gezwungen, ihren Wert voll und ganz kennenzulernen. Dazu später mehr.

Jetzt habe ich zumindest endlich eine Online-Kurssequenz zum Podcasten durchgearbeitet, einen Podcast zum Podcasten angehört, ein wenig recherchiert und mir zu Weihnachten ein Mikrofon schenken lassen – erste Schritte in die angepeilte Richtung.

 

Träume in die Realität gießen: Ein Blick hinter die Kulissen

Zurück zum „Träume in die Realität gießen“ und den Gedanken, dass das sichtbar werden und damit Marketing braucht.

Am liebsten wäre mir natürlich das gute, alte Word-of-Mouth Marketing. Trotz des positiven Feedbacks für meine Arbeit haben diese Lobeshymnen aber bisher keine neuen Interessenten für meine Angebote gebracht.

Das ist übrigens kein Jammern; Jammern tue ich zwar auch manchmal, aber das ich teile das mit dir, um dir einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren – dorthin, wo sich Gänge und Lager voller Möglichkeiten, Hürden und Erfolge befinden, das Auf und Ab der Realisierung von Träumen – meiner Träume in dem Fall.

Dabei bin ich trotz der Ängste und Zweifel, die mich immer mal wieder überkommen, meistens ziemlich sicher, dass ich stets an einem Ort landen werde, der sich gut anfühlt.

Vielleicht nur in einer anderen Form als ursprünglich gedacht.

Ich glaube, Einblicke in die Wege der Selbstverwirklichung anderer zu erhalten, hilft dabei enorm. Es zeigt, dass der eigene aktuelle Stand "normal" ist oder inspiriert dazu, vielleicht etwas zu justieren.

 

Streng dich mehr an

Muss ich mich mehr anstrengen? Ich muss manchmal an die Worte einer Freundin denken, dass, wenn ich etwas erreichen will, ich mich mal auf eine Sache fokussieren sollte, statt so vielen Projekten parallel nachzugehen und dass ich vielleicht einfach noch nicht genug getan habe, um es zu erreichen.

Glaub mir, manchmal ist da die Angst, dass das, was ich tue, wirklich nicht genug ist, um meine Ziele zu erreichen. Zum Glück kann ich sie ganz leicht verpuffen lassen, indem ich einfach weitermache.


Damals haben mich die Worte erschüttert, weil ich mir gewünscht habe, dass sie mich sieht, mich validiert, mit all dem, was ich schon geschafft habe, weil ich wirklich alles in meiner Kraft Stehende getan habe, um meine Träume zu verwirklichen. Und nebenbei auch noch – hach, das klingt so schön theatralisch – um mein Überleben gekämpft habe.

Ja, ich wünschte mir sehr, dass sie mich versteht, dass ich mehrere Dinge parallel oder zumindest in Zyklen tun muss, um meine Kreativität genährt zu halten und meinen Energiehaushalt auszuschöpfen. So bin ich effizient, ohne mich selbst auszubeuten.

Wie sich das zeigt, werde ich dir etwas später in diesem Post erzählen.

Inzwischen weiß ich, dass es nicht nur mir so geht. Aber ich musste auch einsehen, dass wir Menschen so unterschiedlich gepolt sind, dass eben nicht jeder das nachvollziehen kann.
Diese Freundin hatte trotzdem recht; es war eben noch nicht genug.

Ehrlich gesagt, haben mich ihre Worte und die Erschütterung angetrieben. Nicht im Sinne von "du bist zu faul, streng dich mehr an", sondern im Sinne von "es braucht eben noch mehr, auch wenn du schon alles gibst".

 

Noch mehr Hürden auf dem Weg der Selbstverwirklichung

Mir kam die Zeit, in der ich etwas für meine Träume getan habe, schon so lange vor. Immerhin sind es trotz meines jungen Alters bereits Jahrzehnte.

Dass die Ausrichtung von Fokus und Energie auf ein einziges Projekt vermutlich schneller Früchte trägt, macht für mich Sinn – eben dann, wenn ein Mensch mit meiner Seinsstruktur dadurch nicht in seiner Kreativität gedämpft und sämtlicher Energie abgezogen wird.

Wir sind und funktionieren divers, und umso besser wir uns selbst kennen und anerkennen, umso mehr Möglichkeiten eröffnen sich uns, selbst wenn wir damit erstmal gegen den Widerstand der „Norm“ prallen. Aber das verdient einen eigenen Post.

Die Jahrzehnte, von denen ich spreche, waren mit Hürden gespickt – Traumata und die daraus resultierende Essstörung/Sucht, begleitet von Depressionen, Angstzuständen und den weiteren herausfordernden Auswirkungen.

Vor allem jedoch Erschöpfung. Ständige Erschöpfung, die oft noch heute präsent ist, selbst nachdem ich diese Kämpfe hinter mir gelassen habe.

Dafür habe ich verdammt viel gestemmt. Und ich bin stolz darauf, sowie du zu 100% auch auf dich stolz sein kannst.

Denk mal darüber nach, wie oft du weitergegangen bist, alle Energie genutzt hast, die du hattest. Selbst wenn es nur ein Tropfen war, der im Fall verpuffte, dann wieder ein kraftvoller Fluss.

Ich lag manchmal einfach nur im Bett, starrte die Decke an und konzentrierte all meine Kraft darauf, nicht zu ertrinken.

Diese Zeit war unglaublich schmerzhaft, denn ich spürte jedes Gefühl in seiner ganzen Deutlichkeit und einem unvergleichlichen Facettenreichtum, ohne mich davon ablenken zu können.

Ich glaube, das hat mir Meilen an Heilungsdistanz erspart. Seitdem feiere ich Momente des Nichtstuns als wesentlichen Bestandteil meiner To-Do-Liste.

"Und, was hast du heute für die Erfüllung deiner Träume getan?"

"Woah, ich hab den ganzen Tag damit verbracht und nichts gemacht."

Glaub mir, das erfordert verdammt viel Disziplin, und irgendwann wird es Hingabe.

 

Eine Wegbereitung der Selbstverwirklichung

Ich stelle mir die Wegbereitung meiner Selbstverwirklichung wie das Pflastern einer langen Einfahrt vor.

Jeder Stein wird einzeln gesetzt, manchmal auch noch nachjustiert. Früher gab es immer wieder Erdbeben, die das Pflaster erschütterten, oder Erdrutsche, die es bedeckten.

Doch trotz der ständigen Schadensbegrenzung und Reparaturen ging es weiter.

Heute sind da vielleicht noch ein paar Felsbrocken oder große Bäume, um die ich herum pflastern muss. Oft kann ich ungestört vor mich hinpflastern.

Aber, uff, manchmal schnappt eben das, was ich noch vor mir habe oder besser machen müsste, über mir zusammen, und plötzlich scheint alles wieder ganz fern: das veröffentlichte Autorin sein, die Menschen inspiriert, das energetische & psychologische Türenöffnen, das Tätowieren.

 

Techniken für mehr Zuversicht

Ich habe für mich ein paar Techniken entwickelt, die diese jähe Aussichtslosigkeit und Angst überwinden – zurück in die Zuversicht.

Indem ich weitermache. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, dieses Zitat von Erich Kästner stand in großen Lettern und anstelle eines Namensschildes auf dem Pult meines Betriebswirtschaftslehre-Dozenten Herrn Dr..

Die Worte haben sich tief in mein Bewusstsein eingebrannt. Wenn ich darüber nachdenke, sind sie wohl mein persönliches Mantra.

 

Manchmal bedeutet das für mich, dranzubleiben, mich durchzubeißen, bis etwas, das unmöglich erscheint, doch geschieht.

 

Manchmal bedeutet es, Geduld aufzubringen, zu akzeptieren, dass mein Weg, in der Form, in der ich ihn beschreiten kann und will, länger dauert. Dass es viele Dinge parallel sind, die eben parallel dafür weniger schnell vorangehen.

 

Manchmal bedeutet es, die eine Sache ruhen zu lassen und stattdessen das zu tun, was gerade leicht von der Hand geht.

 

Julia Cameron legt ihren Lesern in ihrem Buch „Der Weg des Künstlers“ ans Herz, regelmäßig „Künstlertreffs“ zu machen, um den „inneren Brunnen“ zu füllen, aus dem unsere Kreativität schöpft (Cameron, 2000).

Diese Impulse waren sehr prägend und hilfreich für mich. Sie spricht von Museums- oder Kruschladenbesuchen, die die Sinne mit bunten Eindrücken füllen. Für mich ist dieser Wechsel zwischen Tätigkeiten genauso kostbar. Oft setzt das neue Energie, Inspiration und Mut frei, sodass sich die Knoten im ruhenden Projekt lösen und es auch dort wieder weitergeht.

Das ist der Grund, warum ich meine Vielfältigkeit liebe, weil sie mir diesen Switch erlaubt. Und jetzt, wo ich mir all das wieder bewusst gemacht habe, spüre ich, wie die Überforderung meiner Zuversicht weicht.

 

Außerdem habe ich einen Blogpost geschrieben. Ein Häckchen auf der To-Do-Liste. 🙂

 

Dazwischen gibt es Momente, in denen alles schon da ist.

In einer anderen Form als ausgemalt, aber mit derselben Energie und Freude, die die ausgemalte Vorstellung so kostbar gemacht hat. Wie das aussieht und sich anfühlt, erfährst du im nächsten Post.

 

Bis dahin wünsche ich dir, dass du dich selbst immer klarer siehst und deine Seele nährst. Denn das gibt Kraft und eben auch Klarsicht für den Weg in deine Träume.

 

Deine Larissa

 

 

 

Literaturverzeichnis

Cameron, J. (2000). Der Weg des Künstlers: Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität. München: Knaur MensSana TB in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.

Zeh, J. (2022). Über Menschen. München: btb Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH.

 

Bildquelle:

Collage erstellt mit Canva/Foto via Unsplash von Anton Shakirov

Toxische Positivität vs ehrliches Mutmachen

Foto einer Allee im Nebel als Symbol für Unklarheit bezüglich toxischer Positivität und ehrlichem Mutmachen

Bin ich toxisch positiv?

Ich habe in den letzten Wochen, nachdem ich ein Interview über toxische Positivität (insbesondere auch in der Coaching- und spirituellen Bubble) gelesen habe, und daraufhin mehr zu dem Thema, lange über den Gedanken gebrütet, was das für mich bedeutet.

Warum?

Ganz ehrlich:

1. Weil ich Angst hatte, dazugezählt werden zu können und defintiv nicht toxisch positiv sein will.

Und dann …

2. Weil ich z.B. missbräuchlichen Umgang mit Hoffnungsfunken und Ängsten durchaus schon begegnet bin und dafür durchaus eine Achtsamkeit geschaffen werden darf

3. Weil entsprechende Werte, Wissen und die Auseinandersetzung mit dem Thema „toxische Positivität“ etwas sind, das Fenster auf Perspektiven öffnet, die viele von uns noch aufstoßen dürfen.

Und 4., weil die Linie zwischen ehrlich Bestärken und Mut machen, oder destruktiven Druck/Hoffnungen aufbauen, manchmal vielleicht unklar verläuft.

5. Ich wollte meinen eigenen Fensterblick prüfen und das, was ich in die Welt bringe, genauso.

 

Mit positiver Fürsprache Mutmachen

Als ich 17 war, vor 18 Jahren, habe ich mir geschworen – sobald ich meinem eigenen Drama entkommen wäre, Menschen dabei zu unterstützen, ihr Selbstbewusstsein, ihre innere Kraft und ihren Mut zu bestärken, ihren Weg zu finden und Lebensfreude zu erleben. Lies hier mehr.

Für mich hat das viel mit Selbstverwirklichung zu tun, aber auch mit Reframing von Sichtweisen, Wissensaneignung (Verständnis für sich selbst und andere: Warum handle ich so, zum Beispiel auch aus Sicht des Nervensystems, der Biochemie, erlernten Beziehungsstilen oder durch von Generationen auf Generation übertragenes Trauma …) und natürlich einer gesunden Selbstfürsorge – in dem Maß, wie sie für den/die einzelne*n möglich sind.

 

Die Hacken am gutgemeinten Zuspruch

Dass dieses Maß möglicher Selbstfürsorge und vor allem Selbstverwirklichung an Herkunft und Ausgangssituation (und viele andere Faktoren) gebunden ist, ist mir klar. Auch dass sich Träume verändern können und dass sie loszulassen, manchmal genauso viel Mut verlangt, wie sie zu verfolgen. Selbst das ein bewusster Check, der Umsetzbarkeit von Träumen, durchaus Sinn macht. 

Und doch weiß ich, wie kostbar Worte wie „Du schaffst das“ oder „Das ist möglich“ sein können – gerade, wenn eine bessere Realität sehr fern scheint/ist.

Dann gibt es auch gut gemeinte Mutmacher, die im Gegenüber statt Zuversicht ein Gefühl des „Nicht-Verstanden-oder-Gesehen-Werdens“ oder Versagensängste schüren (zum Beispiel: „Ich bin also ein Versager, weil der/die hat es geschafft und ich nicht.“).

 

Das Gegenstück zur toxischen Positivität: In "Vernunft" gekleidetes Kleinmachen

Ich komme von der anderen Seite, dem Gegenstück der „toxischen Positivität“, sozusagen, nämlich einer vielleicht als „Rationalismus“ oder „Vernunft“ getarntes Kleinmachen.

Mir haben in den meisten Jahren meines Lebens Menschen gefehlt, die an mich oder das, was für mich Freude bedeutet hat, geglaubt haben (aus Schutz oder eigenen Ängsten oder auch Unwissenheit – heute werde ich dafür umso öfter bestärkt, auch von denen, die früher an meinen Wegen gezweifelt haben).

Ich bin aufgewachsen mit einer starken (liebevoll gemeinten, aber begrenzenden) Vorsicht und „das Leben ist nun mal kein Ponyhof“-Phrasen.

Schon als Kind hatte ich mit Depressionen zu kämpfen (ohne natürlich zu wissen, dass es das gibt), und mit siebzehn bin ich schwer bulimisch geworden. Ich habe nicht daran geglaubt, älter als 20 zu werden, und ich war allein damit (weil wen hätte ich mit sowas belasten dürfen – so dachte ich).

Als ich trotzdem professionelle Hilfe gesucht habe, verdammt beschämt und mit kaum einer Spur Selbstbewusstsein, war eine der ersten Aussagen, mit denen ich konfrontiert wurde: „Du kannst nicht gesund werden. Deine Sucht wird immer da sein!“, dasselbe wurde mir über jeden einzelnen meiner Träume (die mich damals am Leben hielten) gesagt: „Von etwas Künstlerischem oder der Schriftstellerei zu leben ist nicht möglich, du musst einen vernünftigen Job machen.“

Und sicherlich habe ich irgendwann angefangen, Aussagen, die vielleicht ganz anders gemeint waren, genau auf diese, mich-niederbrechende Weise zu hören.

Diese Stimmen haben mich tief getroffen und gleichzeitig konnte ich mir nicht erlauben, sie einfach so hinzunehmen.

 

Die Kraft der Hoffnung und einer positiven Sicht

Gesundete Süchtige kannte ich hingegen tatsächlich nicht, aber zumindest wusste ich um Menschen, die von einer Form der Kunst lebten. Nur, sich vorzustellen, einer von diesen zu werden, war ja wohl naiv – so sagte man mir.

Ich habe mir diese Vorstellung trotzdem immer wieder erlaubt, und in diesen Momenten hatte ich Kraft.

In diesen Momenten lichteten sich die Schatten der Depression und der Suchtdruck wurde weniger.

 

Herausforderungen und Ängste, die Hoffnung fressen

Aber dann waren da die Herausforderungen meines Lebens und Erlebens und der Kampf mit der Sucht, der mir wie eine Hölle erschien an jedem einzelnen Tag, und mich so viel Kraft kostete, dass meine Selbstzweifel und Ängste, wieder stärker wurden als meine Zuversicht.

Mit der Perspektivenlosigkeit wuchs der Wunsch, jemand anderes als meine Hoffnung würde mir sagen: Natürlich ist das (Träume/Heilung/besseres Leben) möglich. Auch wenn es Kraft, Zeit und Geduld kostet, Rückschläge und mehr.

 

Warum es sich Hoffnung lohnt und Lebensglück nicht vollkommen sein muss, um vollkommen zu sein

Heute bin ich bulimie-/suchtfrei. Ich bin also der Beweis, den ich mir gewünscht habe. Ich passe auf mich auf, ernähre mich überwiegend (nicht immer, was sich auch gesund anfühlt) und gerne gesund und habe auch keinen Suchtersatz. Das brauche ich nicht mehr.

Die Depression besucht mich manchmal noch als hauchdünner Schatten, wenn es darum geht, meinen Weg wieder nach meiner Seele auszurichten oder belastende Umstände in meinem Leben als solche anzuerkennen und ihnen heilsam zu begegnen.

Ich spüre „normale“ Trauer oder Wut, wenn sich etwas mir Wichtiges als schwieriger gestaltet, als gedacht – nur weiß ich jetzt, wie ich das und auch die Depressionsschatten handle und ziemlich schnell überwinde.

Jetzt, mit Mitte dreißig, hole ich das nach, was manch andere in ihren 20ern (beruflich, sozial und finanziell) in die Wege geleitet haben. Manchmal ist das nicht leicht, so am Anfang zu stehen. Manchmal macht mich auch das wütend – all die verlorene Zeit, das neuerliche „so viel Kraft-Aufbringen müssen“, wo es doch eh schon so schwer war.

Ja, ich beginne gerade erst, meine Träume zu leben. Hier und da holpert es, gerade erst letzte Woche musste ich mich von einer Version eines Traums – mit meinen Tätowierfreunden zusammen zu arbeiten – erstmal verabschieden (who knows was noch kommt), aber ich bin auf dem Weg, Etappenziele sind erreicht.

Ich durfte mit dem Großteil der Themen meiner Vergangenheit: Beziehungen und Ereignissen Frieden schließen. Manches auch aus einem neuen Blickwinkel ganz anders (positiver) erleben. Mein Nervensystem reguliert sich in immer größeren Schritten, ich habe immer noch, sehr selten, Intrusionen, komme damit gut klar und bin hypervigilant. Ich heile mehr und mehr dieser Spuren. Aber vor allem ist da nun oft Leichtigkeit. Zwischen dem, was ist, und dem, was war, liegt ein Weltenunterschied. Dieser Unterschied ist für mich wie ein Wunder und doch Realität.

Collage mit Foto von rosa Glitzerstruktur, davor Linienzeichnung einer Nymphe, die einen Schmetterling in der Hand hält und der Text: Toxische Positivität vs ehrliches Mutmachen. illsutartion by Larissa Leuenberger

Wo sich ehrliches Mutmachen von toxischer Positivität abgrenzt

Trotzdem – da draußen gibt es sehr schreckliche Schicksale, die mir erspart blieben, Hürden, die sich meiner Vorstellungskraft entziehen und das will ich nicht ignorieren, wenn ich mit meiner Botschaft „Heilung ist möglich und wir können weit mehr Träume verwirklichen, als wir es vielleicht glauben; Lebensfreude ist möglich“, in die Welt trage.

Und da frage ich mich, wie kann ich das tun: Der Mensch sein, den ich damals gebraucht habe, ohne destruktiv mit diesen optimistischen Aussagen zu wirken, eben ohne toxische Positivität? Mit Ehrlichkeit, denke ich mir dann: Etwas zu sagen, das man wirklich erlebt, kann das toxisch sein?

Und dann gibt es da noch diese andere Sache: mir bewusst zu bleiben, dass jeder Weg sehr individuell ist. Dass meine Lösungen nicht unbedingt deine Lösungen sind und dir das auch so zu sagen.

Und schließlich, dass – auf welche Weise auch immer – jeder von uns, der „besser“ dasteht, etwas dafür tun kann, denen zu helfen, die es nicht tun. Wie, weiß ich auch nicht immer, aber ich weiß, dass ich mich damit auseinandersetze, um es - im Rahmen meiner Kapazitäten – zu tun.

Was denkst du?

Bildquelle Titelbild: Collage erstellt mit Canva/Foto RealAKP  via pixabay

Bildcollage "wie können wir stützen uns statt stürzen?"  erstellt mit Canva/Hintergrundfoto aus dem Canva-Fundus/llustration und Text by Larissa Leona/Llichtermeer

Little by little: Aus der emotionalen Erschöpfung in die Kraft – Teil 2

Foto trockener, sandiger Erde als Symbol für ein Burnout, dazu der Text:

Little by little: Aus der emotionalen Erschöpfung hinein deine Lebensträume - ein Erfahrungsbericht*

Das Gras ist verdorrt. Die Erde wie Asche. So stark meine Zuversicht für meine beruflichen Perspektiven und meine Lebensträume war, so schnell ist sie verbrannt.

Überhaupt frage ich mich, was von meinen Träumen übrig ist. Von mir.

Vor ein paar Wochen saß ich völlig ausgebrannt an einem Flussufer, habe meine Füße in feuchte Erde gebohrt und meine Augen in sattem Grün gebadet.

Die Natur ist durch meine Sohlen in meinen Körper gestiegen, hat mich abgeholt, getragen, aufgerichtet.

Ich habe mich frisch aufgeladen selbst mit Quantenenergie unterstützt, einen Marketingkurs für Solo-Selbstständige gebucht und durchgearbeitet, jeden Tag an meiner Website gebastelt, Blogposts geschrieben, um mehr Reichweite zu generieren (und weil ich es liebe zu schreiben), eines meiner Buchprojekte weiter überarbeitet und die Linien und Farbkleckse, die seit Monaten wie vergessen auf ihrer Leinwand verstauben, endlich miteinander verbunden.

Dazu die Ausbildung zur Trauma-Therapeutin, die wesentlich mehr Raum und Energie braucht als ich es dachte.

*Warum ein Erfahrungsbericht?  Weil du nicht allein bist!

Little by little und doch ziemlich viel auf einmal. Und das immer wieder.

 

Selbstannahme und Erkenntnisse die heilen

"Entscheide dich halt für eine Sache" – Manchmal geht das, aber dauerhaft nur ein Thema zu verfolgen, brennt Löcher in mein Herz.

Ich kann Spiralen fahren, den Fokus switchen, aber all diese Dinge sind wichtig für mich und brauchen ihre Zuwendung und ihren Platz.

Das anzuerkennen ist Selbstachtung und ist/war ein wichtiger Teil meiner Heilung.

Überhaupt lerne ich immer mehr über die Veränderungen, die chronische Traumatisierungen im Körper hinterlassen. Ich bin froh, immer mehr Quellen zu finden, die erklären, dass eine lange Nachhallzeit des Erlebten normal ist.

Dass es normal ist, auch wenn jetzt „alles gut“ ist besonders erschöpft zu sein, dass es normal ist, auch Jahre später und wenn man sich stabil fühlt von plötzlichen Angstzuständen überrollt zu werden. Das der Gedanke: wo ich jetzt sein könnte, wäre ich nicht so viele Jahre schwer krank gewesen, auftauchen darf, obwohl das nach vorne schauen wichtig bleibt.

All das weiß ich. All das lerne ich trotzdem erst.

Ich sorge für mich. Überforderung – wie zum Beispiel mit Bemühungen, die „verlorene Zeit“ schnellst möglich aufzuholen, ist dem Heilbleiben natürlich wenig zuträglich.

Ich hätte besser aufpassen müssen und das werde ich in Zukunft. Gleichzeitig handele ich grundsätzlich im Sinne meines Lebensglückes und immerhin reagiere ich jetzt schnell, wenn eine Flutwelle kommt.

Denn sie werden weiterhin kommen, manchmal zu viele auf einmal (und trotzdem ist da nicht mehr ansatzweise der Schmerz oder das Drama meines vergangen Lebens und trotzdem ist da Heilung!)

 

Selbstzweifel, die Lebensfreude schlucken

Das Leben holperte, ein bisschen Hormonchaos, ein paar schlaflose Nächte da, ein paar Enttäuschungen hier, und weil ich längst nicht in meiner vollen Kraft war, strauchelte ich in diesen Löchern und fiel schließlich in eines hinein. Schwupps, die Erschöpfung war zurück und mit ihr eine satte Portion Selbstzweifel.

Nix ging mehr. Dann also eine Pause möglich machen, obwohl Nichts zutun bei all meinen Plänen und der drängenden Zeit unmöglich schien. Ich hab's einfach gemacht.

Jetzt sitze ich wieder an einem Ufer. Ein anderer Ort. Ein anderes Land. Über mir schlummern hohe Pappeln, doch statt satten Klee und Lupinen, wie sie mich das letzte Mal umgaben, gibt es hier vor allem Staub.

Der Fluss fließt sanft, sein Wasser ist heute grau, die Luft diesig. Gut, der Staub ist in Wirklichkeit Sand. Sand, von dem ich, als die Erschöpfung mich das letzte Mal so niedergedrungen hat, geträumt habe.

Draußen sein, am Wasser, Sand auf der Haut, das sind lauter Lichter in meinem Meer der Lebensfreude. Trotzdem nagt seit gestern wieder das an mir, was ich vor ein paar Tagen zuhause zurückgelassen hatte: meine verlorene Zuversicht.

Mir gehen die Ideen aus. An dieser Stelle stand ich schon oft. Dann habe ich doch ein Rädchen gefunden, es gedreht und meinen Lebensweg geölt. So wie mit dem Marketingkurs für meine Selbstständigkeit. Oder dem professionellen Lektorat für mein Autorinnenweg.

Oder der Ausbildung zur integralen und systemischen Trauma-Therapeutin, durch die ich meiner energetischen Arbeit psychologisch stützen will.

Oder noch viel früher: die Tätowier-Ausbildung.

Ich tätowiere nicht. Sollte ja nur eine Brücke sein, um dahin zu kommen, wo ich hinkommen will. Aber loslassen tut es mich auch nicht, das Tätowieren. Ich hab’s nicht geschafft Tätowiererin zu werden (dazu mehr in einem anderen Beitrag). Bis jetzt.

Ich bin glücklich und gleichzeitig voll von dem Gefühl versagt zu haben. Ständig zu versagen.

 

Kleine Bewegungen um die Erschöpfung zu überwinden

Mein Kopf weiß, dass das nicht stimmt. Ich habe verdammt viel geschafft. Und in Teilen lebe ich meine Träume bereits.

Für 15 Jahre schwere Suchtkrankheit (heute überwunden ^^) und einer Depression (kaum mehr existent), die noch viel weiter in die Kindheit wurzelt, dafür stehe ich heute wirklich gut da. Wie gesagt: danke für das, was ich eigentlich immer wusste und jetzt über Trauma lerne/bestätigt bekomme.

Daneben bleibt die Erschöpfung und der Blick auf den Weg, der vor mir liegt, dämpfen das Positive manchmal.

Die Pause am Ufer des Flusses war wichtig, aber dieses gedimmte Licht auf mein Leben, droht mit einem Leben, dass ich nicht leben will.

Ich will, dass es weitergeht. Zurück zu meinem Sinn, meinem Frieden, meiner Freude. Nur wie?

Ich weiß es nicht, aber ich weiß, was mir guttut. Dinge verändern. Und wenn es nur meine Körperposition ist.

Ich dehne mich also. Pseudoyoga. So stocksteif mich das fehlende Dehntraining gemacht hat (ich hab's schleifen lassen), so überrascht bin ich, denn sofort erleichtern und befreien mich die Zugbewegungen.

Dann setzte ich mich in einen Schneidersitz. Noch eine Überraschung, weil mit das durch dir leichte Schräge des Ufers trotz meiner verqueren Hüftstellung so leicht fällt.

*Jeden Tag die Verbundenheit zur geistigen Welt stärken und Lebensfreude für mich visualisieren*, dass ich das tun soll, geisterte mir schon lange durch den Kopf. Ich machte es, hörte wieder damit auf, fing wieder damit an.

Heute mache ich damit weiter, fühle meinen Körper augenblicklich - spüre sehr viel mehr Stärke in mir als ich es dachte.

Das fühlt sich gut an, so gut wie die Energie, die überall ist und für mich greifbar wird, sobald ich mich darauf konzentriere.

Die Energie sammelt sich in meinen Händen, strömt in mich hinein, durch mich und auch zu den anderen Menschen und Lebewesen, die ich in diesem Trance-Healing miteinbeziehe.

Tätowierte Frauenbeine mit Sand und Matsch verschmiert und den Füßen im Flusswasser als Symbol für Erdung, Getragen-sein und Kraftsammeln. Dazu die Worte: little by little: wenn du das liest, gib deine Träume nicht auf!
Sonnenuntergang an der Rhône in Frankreich mit Schilf im Vordergrund als Symbol für Zuversicht mit dem Text: little by little - manche Wege dauern laenger
Sand mit Tier- und Menschenspuren als Symbol für Lebendigkeit und Bewegung und Halt mit dem text: little by little -

 

Perspektive, Zuversicht und Lebensträume

45 Minuten später finde ich zwischen den ausgewaschenen Tönen des Ufers eine milde Ruhe.

Meine Perspektive schwappt in mich zurück. Zaghaft, dann in immer größeren Wellen. Ich stehe auf und steige vom verdorrten Grasplateau in den Sand hinab und ins Wasser.

Wolken des Sandes wirbeln um meine Füße. Wie die Wellen meiner Zuversicht haben sie keine klare Form und sind doch wunderschön anzuschauen.

Ich taste nach einer Form in meinem Kopf, die klar ist. und stelle fest, dass ich noch immer will, was ich immer wollte:

Schriftstellerin und Künstlerin sein: Die Freiheit zu schreiben, zu malen, möglichst oft unter freiem Himmel und am Wasser zu sein.

Ich will noch immer, meinen Teil zu einer besseren Welt beitragen: Menschen energetisch, psychologisch und mit meiner Schriftstellerei und Kunst dabei unterstützen zu blühen, ihren Weg zu gehen, ihren Wert in ihrer Einzigartigkeit (die wir oft als bedrohliche Andersartigkeit erleben) zu erkennen.

Ich will der Wind in den Segeln ihrer Träume sein, wenn sie im Leben feststecken und gerade keinen eigenen Wind erzeugen können.

Und da bin ich wieder, inmitten der Peripherie meiner Träume. Spüre, atme und lebe sie, immer wieder ein Stückchen mehr.

Der Fluss umspielt mich, Fische blitzen an mir vorbei, der warme Wind riecht bereits nach Herbst. Das Leben ist schön.

Tage später, spüre ich diesen Moment weiter in mir. Habe wieder die Kraft weiter meinem Seelenglück zu folgen: little by little.

Und du?

 

Bildquelle Titelbild: Collage erstellt mit Canva/Foto Brad Helmink via Unsplash

Galerie-Fotos: Collage mit Canva/Fotos privat